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Mittwoch, 26. Dezember 2018

 Das Loch

Allmählich wird es Zeit, Kiri einzupacken. Vorher aber habe ich noch ein großes Loch in den Rumpf gesägt: das zunächst nur angedachte Bugstrahlruder wird Wirklichkeit.

Das Loch
Wichtig bei einem Bugstrahlruder ist, dass es möglichst weit vorne sitzt (wegen der Hebelwirkung) und etwa einen Lochdurchmesser unter der Wasserlinie sitzt. Auch darunter sollten noch ein paar Zentimeter Rumpf sein, sonst kann es beim Slippen schwierig werden. Daraus ergibt sich - insbesondere bei den Rümpfen von Trimaranen ein Platzproblem. Erstens sind diese Rümpfe sehr schmal und zweitens auch nicht besonders tief. So hat Kiri bei eingezogenem Schwert nur einen Tiefgang von 40 cm. Damit ist der Durchmesser des Loches begrenzt.

Da passte es, dass SidePower ein neues Bugstrahlruder, das SE50, anbietet. Mit einem Tunneldurchmesser von 140 mm passt es gerade noch an die Stelle kurz hinter dem ersten Schott (Fußende der Bugkoje) und mit 50 kp Schub ist es der stärkste Thruster, der in dieser Größe zu haben ist. Ausgerechnet hatte ich für einen Seitenwind von 10 m/s einen erforderlichen Schub von etwa 40 kp, aber etwas mehr ist natürlich immer besser...


Von links nach rechts: Bedieneinheit, Tunnelaufsatz mit Getriebe,
Propeller und Motor
Nachdem das Loch ausgeschnitten war, wurde das Tunnelrohr durchgesteckt, angezeichnet und dann auf die erforderliche Länge gekürzt. Im Frühjahr, wenn die Außentemperaturen wieder höher sind, soll es eingeklebt werden.

Getriebe und Propeller wurden schon einmal zur Probe im Tunnelrohr montiert
Jetzt im Winter ist erst einmal die Elektrik dran. Das Bugstrahlruder bekommt eine eigene Batterie, die in unmittelbarer Nähe seines Einbauortes montiert wird. Damit bleiben die Zuleitungen kurz und die Verluste gering. Entschieden habe ich mich für eine Hochstrom-LiFePo-Batterie. Diese halten - im Gegensatz zu LiPo-Batterien - ihre Nennspannung fast bis zur vollständigen Entladung. Damit steht immer die volle Leistung am Propeller zur Verfügung. Von der Kapazität her kann die Batterie relativ klein sein: sie muss nur Strom für ein paar Minuten liefern können. Dafür muss Sie aber sehr hohe Ströme liefern können: bis zu 300A werden benötigt.
Demnächst mehr von Sicherung und Batterie - die Zellen befinden sich noch in der Zulieferung.
Als Schmankerl habe ich noch eine drahtlose Fernbedienung für das Bugstrahlruder eingeplant - und an dieser Stelle den Rotstift angesetzt. Statt der teuren Fernbedienung von SidePower kommt eine billige Fernbedienung für Elektrowinden zum Einsatz. Reicht vollkommen aus, um z.B. vom Bug aus den Thruster zu steuern.

Sender und Empfänger der Fernbedienung von ebay. Diese hier hat den Vorteil,
dass die beiden Tasten nebeneinander und nicht übereinander liegen.

Jetzt im Winter bin ich dabei, mich etwas intensiver um den Schiffsserver zu kümmern. Nach einigen Ansätzen (ich hatte in diesem Blog schon davon berichtet), die mich nicht wirklich zufriedengestellt haben, habe ich jetzt OpenPlotter ausprobiert. Openplotter ist ein vorkonfiguriertes Softwaresystem für den RaspberryPi, den populären Kleinstrechner. Angeschafft wurde der RaspberryPi 3+, der immerhin mit 4 USB-Buchsen, Ethernet, WLAN und Bluetooth ausgerüstet ist. OpenPlotter wurde auf die SD-Karte kopiert, die SD-Karte in den Karten-Slot des Raspi gesteckt, die Stromversorgung angesteckt, und siehe da: die Kiste lief auf Anhieb. Ein WiFi-Hotspot war bereits vorkonfiguriert. An maritimer Software enthielt die Distribution KPlex (ein Multiplexer für NMEA-Nachrichten), SignalK (als einheitliche Nachrichtenschnittstelle), OpenCPN, ZyGrib und vieles mehr und alles schon passend vorkonfiguriert. Die maritimen Daten, die von den verschiedensten Sensoren kommen können, werden sowohl im NMEA- als auch im SignalK-Format als Datenstrom bereitgestellt, der natürlich auch über WiFi zu empfangen ist.

Der Raspberry Pi 3+ aufgerüstet mit einer Echtzeituhr (oben links)'
und einem Magnetometer (Kompass)
Dieser WiFi-Datenstrom kann natürlich von Endgeräten (Laptop, Smartphone) empfangen und ausgewertet werden. Auf meinem Android-Smartphone habe ich unter anderem SeaWi, iOnboard von DigitalYacht und OpenCPN installiert. Diese Anwendungen können NMEA-Datenströme in der einen oder anderen Form anzeigen. OpenCPN kann sogar die AIS-Meldungen auswerten und bei einer drohenden Kollision Alarm geben.
Gesucht habe ich aber noch nach einer Möglichkeit, die Daten auf einem eReader auszugeben. Diese haben den Vorteil, dass die Displays im vollen Sonnenlicht abgelesen werden können - und dort besonders gut. Angeschafft haben wir uns einen Tolino-eReader, der im Gegensatz zum Kindle wasserdicht ist. Die meisten eReader sind mit einem Webbrowser ausgerüstet, also musste die Anzeige der maritimen Daten auch in einem Webbrowser funktionieren.
Beim googeln wurde ich bei DigitalYacht fündig. DigitalYacht unterstüzt das SignalK-Datenformat und vertreibt auch einen kleinen SignalK-Server. Als Anwendungsbeispiel hatten sie ein Programm für die Ausgabe auf dem Kindle veröffentlicht. Allerdings mehr als Programmierskizze als als gebrauchfertige Anwendung. Es war noch etwas Nacharbeit nötig, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Windanzeige auf dem Tolino. Die Anzeige wird jede Sekunde aktualisiert,
gerade das richtige Tempo für das langsame eReader-Display

Die Übersichtsseite. Tiefenmesser und Log sind nicht angeschlossen
und werden deshalb nicht angezeigt

Die Seite mit den erheblich erweiterten Einstellungen
 Falls jemand Interesse an dem Code hat, soll er sich bei mir melden. Voraussetzung ist freilich ein Schiffscomputer mit einem SignalK-Server.

Nachtrag 19.9.2019:  Inzwischen gibt es auch wasserfeste Kindles.



Sonntag, 27. August 2017

Kleinarbeit


Die letzten Wochen waren durch lauter Kleinarbeiten geprägt. Hier noch den Anstrich vervollständigen, dort noch einen Haken anbringen oder ein fehlerhaftes Bauteil austauschen.

Ich hatte ja schon vom Versagen der Automatiksicherung berichtet, die auch als Hauptschalter dient. Der Einschaltfunke, hervorgerufen von der kapazitiven Last des 5kW-Inverters hatte die Kontakte verschmort. Was zu tun war, lag auf der Hand: zunächst mit einem geringen Strom die Kondensatoren aufladen, dann die volle Leistung zuschalten. Doch wie schaltet man 300 Ampere zeitverzögert ein? Relais? Braucht zu viel Strom. Feldeffekttransistoren? Sah zunächst einfach aus, was das Einschalten betraf. Das Problem war allerdings das Abschalten.
Ziemlich genervt habe ich dann zur einfachsten Lösung gegriffen. Eine Kombination aus Tastschalter und Widerstand, die parallel zur Automatiksicherung geschaltet ist. Beim Einschalten wird zunächst der Tastschalter gedrückt, dann die Sicherung eingeschaltet. Dann kann der Tastschalter losgelassen werden.
Genervt hat mich auch die Bordelektronik. Ich hatte wirklich keine Lust mehr auf Löterei und Programmiererei. Also habe ich nach einer Lösung gesucht, die aus fertiger Software und Hardware bestand. Und die sieht jetzt so aus:

Der Bordserver
Wie man sieht, wurde als Server ein Windows-Tablet gewählt. Einmal wegen der Software (OpenCPN und OpenSkipper), zum anderen, weil ich mich unter Windows mehr zu Hause fühle. Erstanden habe ich dafür ein älteres, aber ziemlich nobles Outdoor-Tablet von Motion Computing. Motion hatte in diesem Tablet einen Intel-Grafikchip verbaut, der sich in der Folge als inkompatibel mit Windows 8.1 und Windows 10 erwies - ein Glanzstück der Wintel-Strategie. Großanwender stoßen diese Tablets nun ab. Folglich gibt es sie derzeit recht günstig auf Ebay (< €100 bei einem Listenpreis von €1300).
Ich habe Windows 7 darauf installiert, das reicht für den Zweck und hat außerdem den Vorteil, dass man das Windows Update abschalten kann, was bei Windows 10 Home oder Pro nicht mehr geht. Und Updates zur falschen Zeit sollen schon zu Havarien geführt haben...
Ausgestattet ist das Tablet mit GPS, WLAN, Phone-Modul und einem hochauflösenden, hellen Bildschirm mit Wacom-Grafikstift - was will man mehr.
Das WLAN wird als Hotspot betrieben und sendet die über OpenSkipper und NmeaRouter gesammelten Daten in die Gegend. Als Empfänger kann jedes mobile Gerät mit Webbrowser verwendet werden.
Interessant in diesem Zusammenhang ist der Tolino e-Reader. Der ist sowieso an Bord, da er uns einige Bücherregale spart. Da er aber auch mit WLAN und einem Webbrowser ausgestattet ist, kann er auch NMEA-Daten anzeigen, z.B. die Daten vom DST800, also Wassertiefe, Geschwindigkeit und Wassertemperatur. Und ist auch noch in praller Sonne gut ablesbar, da das Display reflektiv ist. Für Karten ist er nicht so geeignet, da die Anzeige nur schwarz-weiß ist. Wasserfest ist er auch, was nicht jeder e-Reader von sich behaupten kann.

Was fürs Auge gibt's auch noch. Die Innenarbeiten sind weitgehend abgeschlossen, Dreck wird keiner mehr gemacht. So habe ich denn die Polster eingeräumt, die wir uns von einem befreundeten Polsterer haben machen lassen.
Die Polster sind so unterteilt, dass sie sich auch im Cockpit auf die Bänke legen lassen. Deshalb wurde als Stoff auch eine Outdoorqualität gewählt. Der diesjährige Ausflug nach Dänemark, der nun ansteht, erfolgt also durchaus mit Stil!



Sitzbank Backbord

Sitzbank Steuerbord



Montag, 4. Januar 2016


2016

Die Zeit vergeht schnell und im Winter können wir nicht all zuviel machen. Nicht nur sind die Temperaturen zu niedrig, auch die Luftfeuchtigkeit ist zu hoch, so dass Epoxyarbeiten im Außenbereich nicht in Frage kommen.
Im Innenbereich können wir dagegen mit einem kleinen Heizlüfter für bessere Bedingungen sorgen. So sind denn auch die Innenarbeiten recht weit fortgeschritten, Dekoration (Wandbekleidung, etc. ) fehlt noch. So wurde der Küchenblock weitgehend fertiggestellt. 

Kühlbox montier und eingeschäumt

Die Wände der Kühlbox bestehen aus PU-Schaum, der innen mit Resopal beklebt wurde. Die Kanten und Ecken wurden mit Silikon abgedichtet. Anschließend konnten die Front und die Arbeitsfläche mit Spüle montiert werden.

Eine LED-Lichtleiste sorgt für gute Beleuchtung bei der Küchenarbeit
Sylvesterabend war es dann so weit (Alice hatte inzwischen den Tisch lackiert) - die Kombüse wurde ausprobiert. Da wir keinen Backofen eingeplant haben, sollte es ein Gericht geben, für das man normalerweise einen Backofen braucht: Pizza, halt diesmal in der Variation von Pfannenpizza. Für später wird die Anschaffung einer Remoska erwogen.

Die Arbeit an der neuen Küche gestaltete sich recht gut, auf der Arbeitsfläche wurde der Teig ausgerollt und dann in der Pfanne gebacken. Da wir an Sylvester den Ladenschluss versäumt hatten, viel der Belag etwas eklektisch aus: Zwiebeln, Lachs und Erbsen!

Küchenpremiere
Leider wurde die erste Pizza etwas dunkel - ich kannte die Kochplatte noch nicht und hatte eine viel zu große Hitze eingestellt.

Pfannenpizza, die Erste...
...die Zweite war richtig "belichtet" und schmeckte auch gut.
Das Bad ist inzwischen auch fertig und sieht richtig gut aus. Es fehlen noch die Türen, die aus satiniertem Plexiglas angefertigt werden sollen.

Anstrich fehlt noch
Die meiste Arbeit findet jedoch bei uns im Haus statt. In den Abendstunden beschäftige ich mich mit der Programmierung des Schiffsservers, der ja, wie im letzten Blog berichtet, auf einem UDOO Neo basieren soll. Dabei werde ich nicht das Rad neu erfinden, sondern mich auf vorhandene Arbeiten stützen. Gefallen hat mir der avnav-Schiffsserver von Wellenvogel, der auf einem Raspberry PI läuft. Mit wenigen Änderung ließ sich dieses System auf den UDOO portieren. Jetzt bin ich dabei, die UDOO-spezifischen Sensoren (Barometer, Magnetometer) mit einzubinden. Das Barometer ist schon fertig.


Barograph mit UDOO Neo
Der Witz dieses Systems ist, dass die Benutzeroberfläche auf jedem Smartphone, Tablet oder Notebook läuft, das drahtlos mit dem Server verbunden ist. Ich denke ich werde bald für dieses Projekt einen separaten Blog aufmachen.





Sonntag, 15. November 2015

Long time no see...

Ich hab' schon ein ganz schlechtes Gewissen, weil es seit dem letzten Blogeintrag schon über zwei Monate her ist. Doch wir waren mit Rocinante auf einem längeren Binnentörn. Kiri stand derweil im Garten rum. Falls Einige vergessen haben, wie sie aussieht - hier ist sie:

Kri in unserer Open-Air-Werft
Nach der Rückkehr ging es mit dem weiteren Ausbau erst langsam wieder los. So wurden die großen 1:40 Schotwinschen installiert. Unter den Winschen befindet sich eine Verstärkungsplatte aus mehren Lagen Glasfaser. Die Schraubenlöcher wurden natürlich erst größer vorgebohrt und mit Epoxidharz vergossen. In diese Masse wurden dann die "echten" Schraubenlöcher gebohrt und beim Verschrauben noch alles mit Soudoseal versiegelt.

Andersen Standardwinschen
Auf der anderen Seite sieht es dann so aus:

Bigheads als Kontermuttern für die Winsch (hinten) unten den Fallenstopper (vorn).
Die Überlängen der Schrauben wurden inzwischen abgeflext.
Auch an den Auslegern gab es noch einiges zu tun. Hier mussten im Innern noch einige Verstärkungen geklebt werden. Jeder Ausleger ist außerdem in drei Kammern unterteilt. Der Einstieg in den Ausleger erfolgt in der mittleren Kammer. Die hintere, sehr kleine Kammer ist durch ein Schott getrennt und wird unzugänglich bleiben. Die vordere Kammer ist ebenfalls durch ein Schott getrennt. Hier ist jedoch eine Luke eingeplant, so dass die vordere Kammer zugänglich bleibt und zur Not auch als Stauraum genutzt werden kann.

Anfertigung einer Ausleger-Schottluke
Das große Thema bleibt natürlich der Innenausbau. Probeweise wurde im Boden der Nasszelle schon einmal der Teak-Grätling eingesetzt, um zu sehen wie er passt. Den habe ich allerdings nicht selbst gebaut, sondern von der Tischlerei Behn anfertigen lassen. Die sind auf sowas spezialisiert.

Wasserdurchlässig und rutschfest - Grätling aus Teakholz
Auch die Kühlanlage ist im Werden. Als Kühlaggregat kommt eine ColdMachine von Waeco zum Einsatz. Ich hatte mir erst überlegt, die Pumpe von Grundfoss einzeln zu kaufen. Lohnt sich aber nicht. Bei dem fertigen Aggregat sind bereits der Kondensor, Kupplungen und Grundplatte dabei, das Ganze ist bereits mit Kühlflüssigkeit verfüllt, und viel teurer als die Pumpe einzeln ist es auch nicht.
Positioniert wird das Aggregat unter der Bodenplatte der Hundekoje. Von dort führt dann eine kurze Kälteleitung zur Kühlbox im Küchenblock.


Kompaktes Kühlaggregat von Waeco
Gegenüber des Küchenblocks ist der Kartentisch. Über diesem wurde nun ein kleines Bücherregal installiert. An dessen Bodenbrett soll auch die Funke und die Arbeitsplatzbeleuchtung aufgehängt werden.
Bücherregal oberhalb des (hier ziemlich vollgestellten) Kartentischs
 Ja, und dann war schließlich noch was in der Post:

Schiffsserver in Scheckkartengröße
Ich hatte im Sommer an einer Kickstarter-Aktion teilgenommen, um das Projekt UDOO-Neo zu ermöglichen. Die Finanzierung war erfolgreich und das Ergebnis habe ich jetzt auf dem Schreibtisch. Neben einer Hybrid-CPU (Linux/Arduino) sind auf der Karte 1 GB RAM, WiFi, Bluetooth, Ethernet und Sensoren (Accelerometer, Gyroskop und Magnetometer) enthalten. Beigelegt zum Einstecken waren außerdem Hygrometer und Temperaturfühler. 
Plan ist, alle Messwerte von den Sensoren auf der Karte und auch von externen Sensoren (Echolot, Wetterfahne, GPS, AIS usw) zu bündeln und über WiFi auf dem gesamten Boot als NMEA-Datenstrom verfügbar zu machen. Die Visualisierung erfolgt dann auf Smartphone, Tablet, Notebook oder - bei Verzicht auf Farbe - auch auf einem E-Reader. Letzter haben den Vorteil, dass sie auch in praller Sonne ablesbar sind. 
Die Beschäftigung für die kommenden, langen Winterabende ist also gesichert.

Und dann gab's beim Nachhausekommen noch eine Überraschung. Google hatte inzwischen neue Satelittenbilder ins Web gestellt. Und hier ist Kiri vom Weltraum aus gesehen (Google Earth):